Leutkircher Zeitung, 10.06.2000, Nr. 133

 

"Da hat man so manche schlaflose Nacht"

GEBRAZHOFEN - Dieter Paulmichl ist das, was man gemeinhin einen Tüftler nennt. Rund 150 Patente hat der Gebrazhofener bereits angemeldet. Und noch immer ist er neuen Erfindungen auf der Spur.

 


Wer sein Auto schon einmal in der Parkgarage des "Goldenen Rads" in Friedrichshafen abgestellt hat, hat eine der bekanntesten Erfindungen von Paulmichl benutzt. "Parken der Zukunft" nennt der 61 -Jährige die Verfügbarkeit von möglichst vielen Stellplatzen auf möglichst wenig Raum. Oberirdisch sieht der Laie nur eine herkömmliche Garage, doch sobald er sein Auto darin abgestellt hat, schließen sich die Tore, ein Drehkreuz setzt sich in Gang, und das Auto wird per Roboter über ein codiertes System, ähnlich einem Hochregallager, in eine freie Regalbox tief unter der Erde eingeordnet.

Zum Patent angemeldet hat Paulmichl dieses Parksystem. das je nach Ausführung Platz für bis zu 1000 Fahrzeuge bietet, und in zahlreichen Ländern der Erde Verwendung findet. bereits vor über zehn Jahren. Anfang 1993 war es fertigungsreif; zwischenzeitlich wurde es in Lizenz vergeben.

Seine gesamte Energie steckt Paulmichl derzeit in seine neueste Erfindung: Ein selbstfahrendes und selbsttragendes Lkw-Hubsystem. Dreieinhalb Jahre hat er an diesem Seitenlader gearbeitet, bis aus der Idee ein serienreifes Produkt wurde; rund 4 Millionen DM hat ihn dies gekostet.

Ohne eine riesige Kapitalspritze" eines Partners ("Menschen, die an mich glauben") hätte er dies gleichwohl nicht schaffen können. Ähnlich hatte es sich auch beim Parksystem verhaften, das nach Angaben von Paulmichl satte 12,5 Millionen Entwicklungskosten verschlungen hat.

Das erste Patent hat der gebürtige Athener (zur Zeit seiner Geburt war sein Vater als Kraftfahrzeugbauer in Griechenland tätig) bereits vor einem Vierteljahrhundert angemeldet. Dabei ging es um Klärtechnik. Bereits damals hatte der gelernte Maschinenbauer, der seiner Zeit häufig voraus war, im Übrigen auch schon eine Biogasanlage entwickelt. -Ein Thema, an das man

heute wieder denkt." Paulmichl hatte es möglich gemacht, Gülle geruchsfrei auszubringen. Leider aber seien derartige Investitionen damals von oben her nicht unterstützt worden", weshalb sich die Erfindung nicht durchsetzte, "Sowas tut schon weh. vor allem, weil man damit der Umwelt doch auch viel Gutes hatte tun können "

Nach Gebrazhofen kam Paulmichl, dessen Familie in Kißlegg wurzelt, im Jahr 1972 Zehn Mitarbeiter beschäftigt er mittlerweile in seiner Firma "PID flex loading GmbH" Und wenn die Produktion ausgebaut wird, wolle man "gerne noch großer werden".

Allerdings möchte er auch in Zukunft nicht alles alleine fertigen, und sucht ferner auch für den Seitenlader noch Lizenznehmer. "Einzelkomponenten wie elektrische Steuerung, Hydraulikzylinder und -motoren, sowie Press-, Alu- und Gussteile wollen wir zuliefern lassen, und lediglich Montage und Anbau selbst durchführen".

Paulmichl glaubt an den Erfolg seiner Neuentwicklung. schließlich gebe es bislang nichts Vergleichbares "Ich denke, dass dies ein Riesenmarkt ist, Denn es gibt allein in Europa 24 bis 25 Millionen Lkws, die im Frachtverkehr unterwegs sind. Mittels unseres Seitenladers können die Fahrer, die ja meist unter Zeitdruck stehen, alleine und ohne fremde Verlade- oder Hebeeinrichtungen. sogar Langgut ohne Mühe be- und entladen", verspricht er.

Wie aber kommt man(n) eigentlich immer wieder auf solche Erfindungen? ,Na ja, man erkennt plötzlich etwas, und sagt sich: Da muss man doch mal was tun', erklärt der innovationsfreudige Unternehmer seinen Antrieb, und gesteht gleichzeitig, noch Ideen für mindestens weitere zehn Patente im Kopf zu haben.

Ausnahmslos Freude würde ihm das Tüfteln aber auch nicht bereiten. ."Da hat man schon auch so manche schlaflose Nacht, wenn man probiert und probiert, und das Ding ewig nicht so funktioniert, wie man will."

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